Anarchos beim Rentner-Sender SWR? Das Büro des Intendanten wird besetzt – und Magdalena Brzeska weiß, wo’s Spielerfrauen für schwule Fußballer gibt.
Hiesigen Rebellen sagt man nach, dass sie vorm Sturm des Bahnhofs erst noch Bahnsteigkarten kaufen. Im 17. Stockwerk des Funkhauses steht die Übernahme des Intendantenbüros unmittelbar bevor, eine bauerfeindliche Übernahme ist’s sogar. Die in Aalen geborene Moderatorin Katrin Bauerfeind will aus dem Chefzimmer, dem Machtsymbol eines öffentlich-rechtlichen Riesens, der mit seinen riesigen Fingern kaum junge Leute erwischt, frech und respektlos in die Late Wide Welt hinaus talken – in einer Sendung mit ihren Lieblingsclips und aktuellen Betrachtungen zur Offline-Welt. Und wie geht sie dabei vor?
Sie kommt nicht bei Nacht und Nebel. Klettert nicht auf Fassaden hoch. Sie fragt einfach den Chef: Darf ich mal?
Ja, sie darf. Peter Boudgoust hat nur eine Sorge: „Dann muss ich ja vorher aufräumen.“ Bis 23 Uhr müsse der Intendant aber draußen sein, erklärte ihm Katrin Bauerfeind bei der SWR-Jahrespressekonferenz (das Blogfoto stammt von der SWR-Pressestelle). Denn um 23.15 Uhr beginne ihre erste Sendung am 7. März. Sei doch gar nicht schlecht, wenn der Chef mal zeitig nach Hause komme. „Das wird fett“, sagte die neue SWR-Frau. Wow! So spricht man neuerdings beim SWR. Die gehn voll ab und föhn uns zu.
Bis zum Ende des Jahrzehnts will Boudgoust 166 Millionen Euro einsparen. Da müssen Ideen her! Die Doppelnutzung ist das Zukunftsmodell. Wie wär’s, wenn die ersten Geigen des Orchesters morgens putzen und abends Konzerte fiedeln? Und der Pförtner aus der Pforte im Selbstfahrstudio „Guten Morgen Baden-Württemberg“ moderiert- frühmorgens ist noch nicht so viel Publikumsverkehr. Sparen, sparen, sparen ist das Gebot – und immer an die Jungen denken. Im Schnitt sind die Zuschauer des SWR-Fernsehens 63 Jahre alt. Der Intendant ist 58. „Jetzt machen wir mal was ganz Verrücktes“, werden sich die Gremien gesagt haben, „wir setzen eine schöne Frau mit 30 auf den Chefsessel, soll die zeigen, wie man die Jungen von den Privaten holt.“
Aber Vorsicht, Herr Boudgoust, wenn die Sendung von Katrin Bauerfeind voll fett wird, also ein Riesenerfolg, dann wird die Gute das Intendantenbüro nicht mehr räumen. Und Sie werden beim „Fest der Volksmusik“ Vorklatscher am Silbersee – also vor dem grauhaarigen SWR-Publikum . Das wird dufte (sagte man früher für fett)!
Die junge Fernsehfrau greift nach dem Chefsessel – und der Koch schickt seine Gäste zum Spätzleschaben an den Herd. Der Welt tut es gut, wenn man sie gelegentlich auf den Kopf stellt. Der Wirt Jörg Mink hat deshalb den „Topfguggerabend“ erfunden. Wer dann zu ihm kommt, muss selbst kochen. Naja, mit Hilfe des Personals. Beim fünften Topfguggen zum 15. Geburtstag seiner Möhringer Linde erlebten die Gäste einen neuen Mink. „Weniger ist mehr“, lautet seine neue Devise. 30 Jahre in der Gastronomie habe er für diese Erkenntnis gebraucht. Vorbei sind die Zeiten, da er immer weiter expandierte und keine Ruhe fand. Jetzt konzentriert sich der 53-Jährige auf das, was ihm Spaß macht – auf die Linde (dort hat er um 15 Jahre verlängert) und aufs Schloss Solitude mit dem Business-Club (dort hat er einen Vertrag um weitere fünf Jahre unterschrieben). Seine Produktionsküche in Plieningen hat er an Trautwein Catering aus Nellingen vermietet und alle weiteren Dependancen aufgegeben.
Nach dem Rühren in Töpfen saß mir Magdalena Brzeska, die x-malige deutsche Meisterin der Rhythmischen Sportgymastik und RTL-Siegerin von „Let’s Dance“, gegenüber. Kürzlich, sagte ich ihr, habe sie mir bei der Premiere von „Mamma Mia!“ leid getan. Im knappen Kleid in Eiseskälte draußen vor vielen Kameras – und immer die gleichen Fragen nach dem fehlenden Mann an ihrer Seite. Magdalena Brzeska ist Profi genug, um zu wissen, was dem Marktwert dient. Jetzt macht sie Werbung für die WM der Rhythmischen Sportgymnastik 2015 in Stuttgart. Auf den Roten Teppichen fallen Reporter von Privatsendern über Promis her und sprechen Dinge an, die nichts mit dem Abend zu tun haben. Irgendein aktuelles Klatschthema halt. Bei „Mamma Mia!“ ging’s nicht um Musicals, sondern um schwule Fußballer. Ob sie welche kenne? „Natürlich“, sagte Magdalena Brezeska, die mit Ex-Spieler Peter Peschel verheiratet war. Sie verstehe, dass sich keiner oute und werde keine Namen nennen. Ja, es gäbe Agenturen, die schöne Frauen an schwule Spieler zum Vorzeigen falscher Tatsachen vermitteln. Schließlich ist die verkehrte Welt heute flexibel genug.
Schönes Wochenende! Und jetzt suchen wir uns ein Chefzimmer, das wir fett besetzen.