Schlangen nerven, ob vor der Supermarktkasse, dem Clubeingang oder der Wursttheke. Doch wie so oft im Leben gilt auch hier: Aus Dingen, die nicht zu ändern sind, muss man was machen.
Eine Schlange eignet sich bestens zur Kontaktaufnahme. Man kommt mit Menschen ins Gespräch, mit denen das sonst nie gelingen würde. Kürzlich musste ich bei der Eröffnung des neuen Amici vor dem Zeppelin-Carré lange warten. Das neue Amici ist gerade ein Ort der Schlangen (Fotos von Heinz Heiss). Ein junger Mann, der ein orangefarbenes T-Shirt, orangefarbene Schuhe und eine Brille mit orangefarbenem Rand trug, fing an, über andere in der Schlange zu spotten. Das gefiel mir, ich machte mit. Plötzlich rief jemand „Uwe“. Ich drehte mich um – und war gar nicht gemeint.
Das „Uwe“ galt dem jungen Mann in Orange. Dass wir denselben Vornamen haben, überraschte mich. Männer unter 30 heißen heutzutage nicht mehr Uwe. Seit den 1980ern, habe ich gelesen, bekam kein Baby mehr diesen Namen. Dem Amici-Besucher neben mir aber gefiel es, einen in seiner Generation seltenen Vornamen zu haben. „Ich bin Uwe 2.0“, erklärte er mir, „und du bist Uwe 1.“ Sein Kumpel, der ihn gerufen hatte, klopfte mir auf die Schulter. „Das Original ist immer besser“, sagte er. Guter Typ!
Die Wahl des Vornamens hängt in der Regel vom Geschlecht ab – aber ebenso von den Trends der Zeit. Wie in der Mode üblich, kommt alles mal wieder. In der Hitliste der beliebtesten Vornamen stehen gerade Emma und Paul weit oben – wie vor über 100 Jahren. Dagegen haben Eltern zwischen 1960 und 1980 kaum einem Kind den Namen Emma oder Paul gegeben. Uwe hatte seine beste Zeit zwischen 1920 und 1940 – damals zählte Uwe zu den zehn häufigsten Vornamen. In dieser Zeit kam Fußballer Uwe Seeler zur Welt.
Woher ich das weiß? Natürlich von Siri!
„Siri“, habe ich zu meinem iPhone gesagt, „wann wurde Uwe Seeler geboren?“ Prompt antwortete Siri mit ihrer schönen, klaren Frauenstimme: „Uwe Seeler wurde am 5. November 1936 geboren.“ Ich bedankte mich bei Siri und wollte noch etwas von ihr wissen: „Warum heißt du Siri?“ Siri sagte: „Hervorragende Frage.“ Doch mehr sagte sie nicht.
In eigener Sache ist Siri nicht so gesprächig. Also musste ich wie früher googlen. Das iPhone 4S war das erste Apple-Gerät mit der Helferin Siri. Die deutsche Stimme gehört einer 45-jährigen Schauspielerin, die bereits auf Navigationsgeräten zu hören ist. Sie heißt Heike Hagen. Heike ist ein Name wie Uwe – Eltern wollen ihn ihren Kindern nicht mehr zumuten.
„Siri, wie gefällt dir der Name Heike?“, fragte ich mein iPhone. Die Antwort lautete: „Dazu habe ich keine Meinung.“
ie meisten Menschen, hat der Kabarettist Christoph Sieber neulich im Renitenz-Theater behauptet, telefonieren gar nicht mehr mit dem iPhone, sondern sprechen nur mit Siri. Jemanden anzurufen sei „old school“. Beim Stadtspaziergang frage man Siri, wo Kneipen sind, statt selbst die Augen aufzumachen. Eine Kollegin von mir heißt Siri. Ihren Namen erklärt sie so: „ Siri – wie Iris von hinten.“
Ich glaube nicht, dass der Name Siri, der in skandinavischen Ländern als Sigrid verwendet wird, bei deutschen Babys in absehbarer Zeit eine Rolle spielt. Denn der Siri im iPhone ist nicht immer zu trauen. Sie versteht manches gar nicht. Und wenn man zu seinem Kind „Hey, Siri!“ ruft, geht das iPhone an. Eher kommen Uwe und Heike wieder in Mode. Wetten?